Wenn sich Fans von Borussia Dortmund und 1. FC Köln begegnen, sind die Bilder oft ungewöhnlich für den deutschen Profifußball. Statt Rivalität dominieren vielerorts Sympathie und gegenseitiger Respekt. Vor dem Bundesliga‑Duell in Köln kam es zuletzt zu einem solchen Moment: Anhänger beider Vereine trafen sich am Kölner Bahnhof – und begrüßten sich freundschaftlich.
Augenzeugen berichten von gemeinsamen Gesängen, Handschlägen und Fanschals in Schwarz‑Gelb und Rot‑Weiß. Szenen wie diese zeigen, dass sich im Westen Deutschlands eine besondere Fankultur entwickelt hat. Während Derbys häufig von Spannungen geprägt sind, existiert zwischen Dortmund und Köln seit Jahren eine bemerkenswerte Verbindung.
Ursprung einer ungewöhnlichen Fanbeziehung
Die Sympathie zwischen den Anhängern beider Vereine entwickelte sich vor allem in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Besonders prägend war die Saison 2010/11: Damals besiegte Köln Bayer Leverkusen mit 2:0 und ebnete damit indirekt den Weg zur Dortmunder Meisterschaft unter Trainer Jürgen Klopp. Viele BVB‑Fans sahen darin eine symbolische Unterstützung – in den Kurven wurden anschließend häufiger gemeinsame Schals und Gesänge sichtbar.
Seitdem gibt es immer wieder freundschaftliche Gesten zwischen beiden Fanlagern. Beim Bundesliga‑Duell im Oktober 2025 etwa sorgte ein großes Banner der Dortmunder Fans zugunsten des Kölner Geißbockheims sogar für Jubel im Auswärtsblock der FC‑Anhänger.
Gemeinsame Rivalen verbinden
Ein weiterer Faktor, der die Beziehung stärkt, ist ein gemeinsamer Gegner: FC Schalke 04. In der Fanszene eint viele Anhänger aus Dortmund und Köln die Rivalität zu den Gelsenkirchenern. Diese Konstellation sorgt immer wieder für symbolische Solidarität in den Kurven und auf Auswärtsfahrten.
Auch Rot‑Weiss Essen Teil der Fanverbindungen
Interessant ist die Rolle von Rot‑Weiss Essen innerhalb dieser westdeutschen Fanlandschaft. Zwischen RWE und Borussia Dortmund existiert bereits seit den 1970er‑Jahren eine Fanfreundschaft, die historisch ebenfalls durch die Rivalität zu Schalke geprägt wurde.
In der Praxis führt das dazu, dass sich Fans aus Essen, Dortmund und Köln bei bestimmten Spielen oder Auswärtsfahrten durchaus begegnen – häufig ohne Konflikte. Gerade im Ruhrgebiet und im Rheinland ist diese Verbindung ein Beispiel dafür, dass Fußballkultur nicht ausschließlich aus Rivalitäten besteht.
Bahnhofsszene als positives Signal
Das freundliche Treffen am Kölner Bahnhof zeigt daher eine andere Seite der Fankultur. Während Schlagzeilen oft von Gewalt berichten, entstehen im Alltag auch Momente von Respekt und Gemeinschaft.
Für viele Anhänger ist genau das ein zentraler Teil der Fußballtradition im Westen: Rivalität auf dem Platz – aber gegenseitige Anerkennung unter Fans.
Gerade in Zeiten zunehmender Sicherheitsdebatten sind solche Bilder seltene, aber wichtige Beispiele dafür, wie Fußballfans verschiedener Vereine friedlich miteinander umgehen können.