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"Eine klare Fehlentscheidung": Rafati analysiert Last-Minute-Elfmeter im Ostsee-Stadion

"Eine klare Fehlentscheidung": Rafati analysiert Last-Minute-Elfmeter im Ostsee-Stadion

Rostock – Der Jubel über den Last-Minute-Sieg war ohrenbetäubend, doch die Diskussionen danach sind es nicht weniger. Der 3:2 (1:0)-Erfolg von Hansa Rostock gegen Rot-Weiss Essen am Samstag in der 3. Liga wird noch lange nachhallen. Grund ist ein äußerst fragwürdiger Handelfmeterpfiff in der Schlussphase, der die Partie zugunsten der Rostocker entschied. Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati hat sich die Szene für das Portal liga3-online.de genau angeschaut und kommt zu einem vernichtenden Urteil: „Eine klare Fehlentscheidung.“ 

Es war die 86. Minute im ausverkauften Ostseestadion, als sich die Gemüter erhitzten. Nach einer Flanke köpfte der eingewechselte Hansa-Mittelfeldspieler Christian Kinsombi das Leder aus kürzester Distanz an den Arm von Essens Verteidiger Michael Kostka, der ebenfalls erst wenige Minuten zuvor auf dem Platz war . Schiedsrichter Patrick Kesselgröger zeigte sofort auf den Punkt, und der ebenfalls eingewechselte Emil Holten verwandelte sicher zum vielumjubelten 3:2-Sieg für die Hausherren . Während die Rostocker eine wilde Party feierten, schäumte bei Rot-Weiss Essen die Wut.

Die Sinnesfrage: Absicht oder natürliche Bewegung?

Im Zentrum der Debatte steht die Frage, ob Kostka den Ball unnatürlich vergrößert oder gar vorsätzlich gespielt hat. Für Babak Rafati, der als Schiedsrichter über 100 Spiele im Profifußball leitete, ist die Antwort darauf glasklar: Nein.

„Kinsombi köpft den Ball aus kurzer Entfernung an den Arm von Kostka“, beschreibt Rafati die Szene in seiner Analyse. „Dabei ist der Arm vom Verteidiger zwar nicht angelegt, aber dennoch liegt kein strafbares Handspiel vor.“

Das entscheidende Detail: Die natürliche Bewegung

Rafati führt weiter aus, warum der Elfmeterpfiff die aktuellen Regeln des Fußballs missachtet. Entscheidend ist für ihn die Dynamik der Situation.

„Der Arm schwingt nämlich in der natürlichen Bewegung des Verteidigers mit und dadurch bekommt er den Ball an den Arm, sodass dieses Handspiel unabsichtlich ist“, so Rafati.

Der Verteidiger springt hoch, um im Luftkampf zu bestehen. In dieser Sprungbewegung ist es völlig natürlich, dass die Arme zur Balance und zur Koordination des Körpers eingesetzt werden. Sie sind nicht ausgestreckt, um den Ball zu blockieren, sondern begleiten die Bewegung. Der Kopfball von Kinsombi erfolgt aus so kurzer Distanz, dass Kostka gar keine Möglichkeit hatte, zu reagieren oder seinen Arm der Situation anzupassen.

Keine Intention, nur Reflex

Ein weiteres Indiz, das für Rafati die Unschuld des Verteidigers belegt, ist dessen unmittelbare Reaktion nach dem Kontakt.

„Somit liegt eine Fehlentscheidung vor, auf Elfmeter zu entscheiden, da der Verteidiger keine Intention hatte, den Ball mit dem Arm spielen zu wollen“, betont der Experte. „Er zieht diesen sogar nach der Berührung des Balles zurück, was bei unabsichtlichen Handspielen reflexartig oft passiert.“

Dieses Zurückziehen ist ein klassischer Reflex: Ein Spieler spürt den Ball am Arm und zieht diesen instinktiv und schuldbewusst an den Körper – nicht, weil er einen Regelverstoß begangen hat, sondern weil der Kontakt überhaupt stattgefunden hat. Dieses Verhalten als Eingeständnis einer Absicht zu werten, wäre ein Trugschluss.