Böller-Detonation neben Linienrichter: Oberliga-Spiel in Ahlen abgebrochen
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Böller-Detonation neben Linienrichter: Oberliga-Spiel in Ahlen abgebrochen

Böller-Detonation neben Linienrichter: Oberliga-Spiel in Ahlen abgebrochen

Schwere Ausschreitungen überschatten das Duell zwischen Rot Weiss Ahlen und der SG Wattenscheid 09. Nachdem ein Böller in unmittelbarer Nähe eines Schiedsrichter-Assistenten explodiert, bricht der Unparteiische die Partie ab. Es ist bereits der zweite folgenschwere Pyro-Vorfall innerhalb weniger Wochen im deutschen Fußball.

 

Das Wersestadion in Ahlen sollte am Sonntagnachmittag Schauplatz eines fußballerischen Leckerbissens sein. Der ehemalige Zweitligist Rot Weiss Ahlen empfing die SG Wattenscheid 09, einen Club mit Bundesliga-Vergangenheit. Doch das Prestigeduell in der Oberliga Westfalen endete in einem Chaos, das einmal mehr die Frage nach der Sicherheit auf den Plätzen aufwirft.

Was als umkämpfte Partie begann, kippte in der Schlussphase endgültig. Bereits zuvor war aus dem Wattenscheider Fanblock ein Böller neben Ahlens Torwart Lukas van Ingen detoniert – eine Vorgeschmack auf das, was wenig später folgen sollte. In der Nachspielzeit, beim Stand von 1:3 aus Ahlener Sicht, eskalierte die Situation: Ein weiterer Knallkörper explodierte in unmittelbarer Nähe von Schiedsrichterassistent Lukas Jelis.

Linienrichter klagt über Beschwerden

Der Unparteiische wurde durch die Detonation sichtlich getroffen und klagte umgehend über körperliche Beschwerden. Schiedsrichter Niklas Simpson zog die Konsequenz: Er brach die Partie vorzeitig ab. Damit endete eine Begegnung, die sportlich längst zugunsten der Gäste aus Wattenscheid entschieden schien, im Chaos.

Doch die Ausschreitungen waren damit nicht beendet. Wie die Polizei mitteilte, drangen nach dem Abbruch mehrere Ahlen-Fans in den Innenraum ein. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen Teilen der heimischen Anhängerschaft und den eingesetzten Polizeibeamten. Diese wurden den Angaben zufolge mit Wurfgeschossen attackiert. In der Folge nahmen die Beamten drei Personen fest – auffälligerweise handelte es sich dabei um Anhänger des niederländischen Klubs PEC Zwolle, zu dem die Ahlener Fanszene freundschaftliche Kontakte pflegt.

Jubel bei Wattenscheid – und eine unbeantwortete Frage

Während die Polizei nun unter anderem wegen Landfriedensbruchs und Widerstands ermittelt, zeigten sich die Verantwortlichen der SG Wattenscheid 09 siegessicher. Aus der Kabine posteten die Spieler ein Jubelfoto mit dem Zusatz "+3". Tatsächlich spricht vieles dafür, dass die Nullneuner die drei Punkte zugesprochen bekommen. Sie führten deutlich, und der entscheidende, den Abbruch herbeiführende Böller kam nach ersten Erkenntnissen aus dem Lager der Ahlener Fans. Endgültig entscheiden wird darüber das zuständige Sportgericht.

Rot Weiss Ahlen kündigte derweil an, sich zeitnah ausführlich zu den Geschehnissen zu äußern, und machte in einem ersten kurzen Statement deutlich: "Solche Situationen haben im Fußball keinen Platz."

Ein Vergleich mit unangenehmen Parallelen

Die Ereignisse in Ahlen sind kein Einzelfall. Erst vor wenigen Wochen sorgte ein ähnlicher Vorfall in der 3. Liga für Aufsehen. Beim Spiel zwischen Rot-Weiss Essen und Waldhof Mannheim wurde Essens Torhüter Felix Wienand von einem Böller aus dem Mannheimer Fanblock getroffen. Anders als nun in Ahlen blieb die Partie seinerzeit jedoch ohne Abbruch – eine Entscheidung, die im Nachhinein angesichts der nun erfolgten Eskalation in der Oberliga umso fragwürdiger erscheint.

Während in Essen der betroffene Spieler weitermachen musste, zog der Unparteiische in Ahlen die einzig mögliche Konsequenz, als ein Offizieller körperlich attackiert wurde. Der Abbruch sendet ein klares Signal: Wer Akteure auf dem Platz zum Ziel macht, gefährdet nicht nur Menschen, sondern auch das gesamte Spiel.

Für die Oberliga Westfalen bleibt ein dunkler Sonntag. Und die Hoffnung, dass aus den Geschehnissen im Wersestadion endlich die richtigen Schlüsse gezogen werden.