Der Frühling zeigt sich aktuell von seiner schönsten Seite, mit strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen während des Tages. Doch sobald die Nacht hereinbricht, zieht das Wetter eine frostige Bilanz: In einigen Regionen müssen Autofahrer tatsächlich nach dem Rechten sehen und die Scheiben freikratzen, während die Temperaturen in den einstelligen Bereich sinken. Doch was sind die Ursachen für diese ungewöhnlich kalten Nächte?
Blockierte Großwetterlage als Ursache
Diplom-Meteorologe Dominik Jung erläutert die aktuelle Kältewelle mit einer sogenannten blockierten Großwetterlage. Anstelle der gewohnten milden Westwinde, die normalerweise vom Atlantik nach Mitteleuropa strömen, liegt Deutschland derzeit unter dem Einfluss einer kräftigen nördlichen Strömung. Diese bringt kalte, subpolare bis arktische Luftmassen direkt ins Land. Das Blockadehoch befindet sich westlich von Mitteleuropa, zwischen den Britischen Inseln, Island und Grönland, was die Wetterlage weiter stabilisiert und das Eindringen milder Meeresluft verhindert.
Verfrühte Eisheilige und ihre Auswirkungen
Laut Jung ist Deutschland momentan an der Ostflanke eines Hochdruckgebiets positioniert, was bedeutet, dass die kalte Luft von Norden nach Süden geführt wird. Dies entspricht einer typischen Wetterkonstellation, die auch die Eisheiligen im Mai prägt. Wer also auf milde Frühlingstemperaturen hofft, wird derzeit enttäuscht und muss sich mit einem verfrühten Vorgeschmack auf diese kalten Nächte begnügen. Wie der Deutsche Wetterdienst berichtet, sind die Temperaturen am Sonntagmorgen selbst auf dem Brocken in den Minusbereich gefallen.
April: Ein Wetterparadox
Trotz der frostigen Nächte ist der April im Durchschnitt nicht ungewöhnlich kalt. Im Vergleich zu den Klimadaten aus den Jahren 1961 bis 1990 liegt die Temperatur in Deutschland sogar um rund 1,6 Grad über dem Soll. Im Vergleich zu den letzten Jahren scheint der April jedoch kühler zu sein, insbesondere nach den warmen Tagen, an denen die Temperaturen bis zu 25 Grad Celsius erreichten. Jung erklärt, dass jeder Rückfall in das typische Aprilwetter wie ein Kälteschock wirkt. Das eigentliche Phänomen ist nicht die Kälte des April, sondern die Tatsache, dass wir uns an milde Temperaturen gewöhnt haben. In den kommenden Tagen wird sich die kalte Wetterlage voraussichtlich fortsetzen, mit Frostnächten und sogar Schneefällen in einigen Regionen. Lediglich das südliche Rheintal bleibt von diesen kalten Temperaturen verschont. Ob sich die Wetterlage bald ändern wird, bleibt abzuwarten, doch die frühlingshaften Tage scheinen vorerst von frostigen Nächten begleitet zu werden.