Kritik an der geplanten Neuausrichtung
Mehrere Vereine aus unterschiedlichen Spielklassen haben sich in einem gemeinsamen offenen Brief vehement gegen die Überarbeitung der bundesweiten Stadionverbotsrichtlinien ausgesprochen. Sie sehen zentrale rechtsstaatliche Grundsätze in Gefahr und fordern den Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf, die Reform in ihrer aktuellen Form nicht zu unterstützen. Stattdessen verlangen die Klubs eine grundlegende Überarbeitung des Vorhabens.
Veränderung des Charakters von Stadionverboten
Die unterzeichnenden Vereine kritisieren, dass die geplante Novelle den Charakter von Stadionverboten grundlegend verändern könnte. Bisher waren Stadionverbote primär präventiv und pädagogisch ausgerichtet, während die neuen Regelungen eine stärkere Fokussierung auf Sanktionen und Abschreckung befürchten lassen. Besonders problematisch ist für die Klubs, dass Stadionverbote schon aufgrund laufender Ermittlungsverfahren verhängt werden könnten. Dies würde dem Grundsatz der Unschuldsvermutung widersprechen und könnte dazu führen, dass Betroffene ohne rechtskräftige Klärung eines Sachverhalts benachteiligt werden.
Sorge um Verhältnismäßigkeit und Vereinsrechte
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt der Vereine betrifft die geplanten verpflichtenden Vorgaben bei der Verhängung von Stadionverboten. Die Befürchtung ist, dass individuelle Einzelfallprüfungen dadurch erschwert oder sogar unmöglich gemacht werden. Anstelle differenzierter Entscheidungen könnten starre Automatismen in Kraft treten. Zudem lehnen die Klubs die stärkere Einflussnahme durch zentrale Stellen ab, da ein mögliches Weisungsrecht als Eingriff in das Hausrecht und die eigenständige Verantwortung der Vereine gewertet wird.
Einbindung von Fanprojekten und sozialpädagogischen Einrichtungen
Die Vereine legen großen Wert darauf, dass Fanprojekte und sozialpädagogische Einrichtungen stärker in den Prozess der Stadionverbote eingebunden werden. Diese Institutionen haben in den letzten Jahren einen wichtigen Beitrag zur Prävention und Konfliktvermeidung geleistet. Zudem äußern die Klubs Bedenken hinsichtlich Datenschutzfragen, unklarer Zuständigkeiten und fehlender Transparenz im Reformprozess. Eine unabhängige wissenschaftliche Bewertung der geplanten Änderungen wurde bisher nicht ausreichend berücksichtigt.
Forderung nach umfassender Überarbeitung
In ihrem offenen Brief fordern die Vereine einen Neustart des Verfahrens. Eine überarbeitete Richtlinie müsse den präventiven Charakter von Stadionverboten bewahren, rechtsstaatliche Prinzipien respektieren und transparente Entscheidungswege schaffen. Außerdem soll die Zusammenarbeit zwischen Verbänden, Politik, Vereinen und Fanvertretungen intensiviert werden. Die Klubs appellieren an den DFB, diese Position gegenüber den zuständigen politischen Entscheidungsträgern zu vertreten und sich für eine erneute Prüfung der Reform einzusetzen. Ihr gemeinsames Signal ist klar: Sicherheit im Fußball muss mit Rechtsstaatlichkeit, Verhältnismäßigkeit und einem konstruktiven Dialog verbunden bleiben.
