Was für eine Willensleistung von Energie Cottbus! Aus einem 1:3 machten die Lausitzer in einer irren Schlussphase noch ein 5:3 und haben dadurch weiterhin alle Chancen auf den Aufstieg. Mann des Tages war Tolcay Cigerci, während Trainer Claus-Dieter Wollitz ungewöhnlich kurz angebunden war.
Zweitschnellster Dreierpack der Drittliga-Geschichte
Als RWE kurz nach der Pause das 3:1 erzielte, schien die Partie eigentlich schon gelaufen. Doch binnen neun Minuten schnürte Tolcay Cigerci per Elfmeter (73.), direkt verwandeltem Freistoß (78.) und einem Traumtor (82.) einen lupenreinen Hattrick und drehte die Partie damit im Alleingang. Es war der zweitschnellste Dreierpack der Drittliga-Geschichte, nur Aues Ali Lukunku war in der Saison 2008/09 mit sieben Minuten noch schneller.
Cigerci: "Ohne das Publikum hätten wir sowas nicht abliefern können"
Unmittelbar nach der Partie fehlten dem Matchwinner bei "MagentaSport" die Worte: "Genau deswegen kommt man ins Stadion und schaut sich sowas an. Das muss man live erlebt haben." Vor allem sein Treffer zum 4:3 war eine Augenweide, als er den Ball aus 20 Metern unhaltbar im Kasten versenkte: "Ich habe gewartet und geschaut, ob sich eine Lücke ergibt, weil ich eigentlich immer versuche, den besser Postierten zu sehen. In dem Fall war ich es anscheinend selber." Wie der 31-Jährige betonte, "haben wir nie den Glauben verloren". Auch nicht, als die Partie nach dem 1:3 bereits verloren schien. "Dann so zu antworten, hat uns heute ausgezeichnet." Gleichzeitig sprach er aber auch den Fans ein Lob aus: "Ohne das Publikum hätten wir sowas nicht abliefern können." Und spätestens mit dem Anschlusstreffer nach 73 Minuten entfalteten die Fans eine Wucht und Dynamik, die RWE nicht mehr gestoppt bekam.
Ein Schlüsselmoment für den Endspurt?
Kann die Partie nun womöglich ein Schlüsselmoment für den Endspurt sein? "Definitiv", meinte Cigerci. "Fußball hat auch viel mit dem Kopf zu tun. Wenn du so ein Spiel drehst, kannst du mit breiter Brust in das nächste Spiel gehen." Zunächst soll der überaus wichtige Sieg aber angemessen gefeiert werden. "Jedoch nicht zu lange, denn schon morgen geht es weiter. Wir müssen jetzt gut regenerieren und dann den vollen Fokus auf die letzten vier Spiele legen."
Wollitz kurz angebunden
Während Cigerci und auch Kapitän Axel Borgmann bei "MagentaSport" Rede und Antwort standen, wollte sich Wollitz nicht äußern – weder vor noch nach der Partie. Auch bei der obligatorischen Pressekonferenz war der 60-Jährige, der noch am Freitag zu einem großen Rundumschlag ausgeholt hatte, ungewöhnlich kurz angebunden und verzichtete nahezu komplett auf eine Analyse der Partie. Stattdessen betonte er, dass er sich der Einschätzung von Koschinat "aus allerhöchstem Respekt" anschließe und beide Mannschaften Werbung für den Fußball betrieben hätten.