Der VfL Osnabrück steht kurz vor der Rückkehr in die 2. Bundesliga, und auch Rot-Weiss Essen wirkt fünf Spieltage vor Schluss nach einer langen Siegesserie kaum noch aufzuhalten. Umso bemerkenswerter ist das bei einem Blick auf die längerfristige Entwicklung – oder doch nicht? Denn das Duo, das im Vorjahr noch tiefe Krisen durchlebte, setzt mitnichten neue Trends.
VfL & Essen: Seit Anfang 2025 auf der Überholspur
Wir drehen die Uhren nur etwa 15 Monate zurück. Gerade haben sich in Osnabrück und Essen viele Menschen beste Neujahrswünsche übermittelt und dabei inständig gehofft, ihr sportlicher Vorzeigeverein möge irgendwie noch den Turnaround schaffen. Am 19. Spieltag jener Saison 2024/25 hat der VfL sich 1:1 vom SC Verl getrennt, es war immerhin das zweite Spiel ohne Niederlage vom neuen Trainer Marco Antwerpen. Das genügt, um nicht die Rote Laterne durch die Winterpause tragen zu müssen – als Zweitliga-Absteiger, wohlgemerkt.
Rasanter Aufstieg und historische Erfolge
Drei wichtige Punkte sind eine Woche zuvor mit dem 2:0-Sieg über Rot-Weiss Essen erzielt worden, wo Antwerpen seinen Einstand feiert. Und nicht nur er: Auch ein gewisser Uwe Koschinat debütiert auf der Gegenseite und ist neuer Steuermann eines Schlittens, der immer tiefer ins Tal rutscht. RWE überwintert auf Platz 18, einen Wimpernschlag vor Osnabrück. Zwei Traditionsvereine, die in der 3. Liga per ungeschriebenem Gesetz mindestens mal im oberen Drittel verortet werden, sind am Abgrund. Am 12. April 2026 ist die Bremer Brücke bereit für den neunten Zweitliga-Aufstieg, den siebten seit der Saison 2000. Niemand kann diese Statistik toppen, weshalb der Niedersachse seine Euphorie auch in dieser ereignisreichen Saisonphase gut kanalisieren kann. Und doch taugt die Entwicklung für Jubelsprünge: 67 Punkte, mehr als zwei pro Spiel! 35 davon in der noch längst nicht beendeten Rückrunde! Und eine defensive Stabilität, wie sie zuletzt der 1. FC Kaiserslautern vor vier Jahren präsentierte.
Wagenburgmentalität und Ausnahme-Transfers
Was begünstigt einen solchen Raketenstart, nachdem kurz zuvor der Absturz in die Viertklassigkeit drohte? Der psychologische Faktor ist ein naheliegender Ansatz: Wer dem größtmöglichen Druck von innen standhält, kann die besten Leistungen abrufen. Nachfolger Timo Schultz führt sein Werk umso beeindruckender fort, sein Konterpart Koschinat auf Essener Seite auch. In der Tabelle des Drittliga-Kalenderjahres 2025 thronte RWE mit 73 Punkten an der Spitze, nur der in diesen Zeiten ständig erfolgreiche SC Verl (68) schob sich in dieser Bilanz noch zwischen Rot-Weiss und den VfL Osnabrück (66). Beide sind auf bestem Wege, diese Ergebnisse zu bestätigen – wenn sie sich nicht in wenigen Wochen in die 2. Bundesliga verabschieden, worauf vieles hindeutet.