Oleksiy Breus hat in seinem Leben zwei der verheerendsten Katastrophen überstanden, die die Ukraine seit 1945 geprägt haben. Der 67-jährige ehemalige leitende Atom-Ingenieur überlebte sowohl die atomare Katastrophe von Tschernobyl als auch den aktuellen militärischen Konflikt mit Russland, der sein Heimatland erschüttert.
Der Schrecken von Tschernobyl
Am kürzlich kam Oleksiy Breus zum Schichtbeginn ins Atomkraftwerk Tschernobyl. Was er dort vorfand, übertraf seine schlimmsten Erwartungen: Der Reaktor war schwer beschädigt, Rauch stieg auf und die Gefahr war offensichtlich. In diesem kritischen Moment, als der Reaktor unkontrollierbar war, wurde Breus mit einem schrecklichen Befehl konfrontiert: Weiter kühlen, trotz der offensichtlichen Sinnlosigkeit. Er und seine Kollegen kämpften verzweifelt, um die Kühlpumpen in Gang zu bringen, während die ersten Anzeichen von Strahlenkrankheit unter den Arbeitern sichtbar wurden. Breus beschreibt die gespenstische Stille, die im Kontrollraum herrschte, als er schließlich alleine war und den letzten Knopf am Kontrollpult drückte. Die Verantwortung lastete schwer auf ihm, aber er konnte nichts mehr tun. Trotz der Gefahren überlebte Breus, während viele seiner Kollegen an den Folgen der Strahlenbelastung litten. Ein frühes Erhalten von Jodtabletten und die relative Sicherheit des Kontrollraums könnten ihm das Leben gerettet haben.
Eine zweite Flucht vor dem Unheil
Jahrzehnte später, am kürzlich, wurde Breus erneut mit einer Katastrophe konfrontiert. Die russische Invasion in die Ukraine begann, und er fand sich in einem Keller einer Schule wieder, umgeben von besorgten Nachbarn. Die russischen Truppen besetzten das Gebiet um Tschernobyl, und Breus erlebte eine ganz neue Art von Angst. Der Krieg war unberechenbar, während das radioaktive Risiko eine bekannte, wenn auch bedrohliche Konstante war. Nach gefährlichen und bewegten Tagen gelang es Breus, im Zug nach Polen zu fliehen. Nur wenige Kilometer entfernt wurde ein anderer Zug beschossen, jedoch war sein eigener Glücksfall. Schließlich erreichte er die Schweiz, wo er mit seiner Frau in einem Flüchtlingsheim lebt. Die Herausforderungen sind groß, während er sich von Sozialhilfe und einer kleinen Tschernobyl-Rente ernährt. Trotz all der Widrigkeiten lernt Breus Deutsch und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Die Lebensgeschichte von Oleksiy Breus ist ein eindrucksvolles Zeugnis für den ungebrochenen Überlebenswillen und die Resilienz der Menschen, die in Krisenzeiten bestehen.